Geschäfts- und Quartalsberichte

Die wichtigsten Instrumente der Kapitalmarktkommunikation

Ganz objektiv ist es die Aufgabe von Quartals- und Geschäftsberichten, Rechenschaft abzulegen. Dies ist durch zahlreiche Vorschriften geregelt. Die Qualität eines Berichts kann man also nicht daran messen, dass er alle Anforderungen der Regelwerke erfüllt. Das ist die Pflicht, die sowieso gewährleistet werden muss.

Gute Geschäfts- und Quartalsberichte hingegen zeichnen sich durch eine Reihe von Merkmalen aus, die über die Pflicht zur Berichterstattung hinausgehen. Neben der reinen Vermittlung von Fakten liefern sie Hintergrundinformationen und setzen die berichteten Ergebnisse in den Zusammenhang mit weiterführenden Erläuterungen, die es dem Leser ermöglichen, die präsentierten Daten zu bewerten. Auch hier steht die Frage im Mittelpunkt, ob die Zahlen, Daten und Fakten Hinweise dafür liefern, dass sich das Unternehmen im Rahmen seiner kurz- und mittelfristigen Ziele entwickelt.

Besondere Pluspunkte können Unternehmen sammeln, wenn sie den Begriff Transparenz großzügig auslegen. Warum auf die Nachfrage von Investoren warten, wenn es möglich ist, die Informationen proaktiv zu geben? Diese Bereitschaft, gepaart mit einer angemessenen Kontinuität, schafft Vertrauen und kann eine gute Grundlage bereiten für Zeiten, in denen es nicht optimal läuft.

Eine Randbemerkung zum Thema Quartalsberichte: Wir empfehlen unseren Kunden, die bisher bereits quartalsweise berichtet haben, diese Praxis beizubehalten. Durch den Wegfall der Pflicht zu Quartalsberichten (Q1 und Q3) entsteht Gestaltungsspielraum, der dieses Instrument wieder zur Kür macht – und der sollte genutzt werden! Gleichzeitig gewinnt natürlich der Halbjahresbericht als „Pflicht“ größere Bedeutung, steht er doch aus dem Quartalseinerlei jahrunter heraus.

Fast selbstverständlich sollte es sein, die Berichte zu den jeweils angekündigten Terminen zu veröffentlichen. Nur zu leicht werden Mängel in der internen Organisation oder Meinungsverschiedenheiten mit Wirtschaftsprüfern vermutet, sollte dies einmal nicht gelingen. Ein Eindruck, der nur äußerst mühsam wieder behoben werden kann, wenn der Fall einmal eingetreten ist.

Der Geschäftsbericht als wichtiges Instrument der Kapitalmarktkommunikation

Der Geschäftsbericht deckt die Berichterstattung über die Entwicklung des Unternehmens während eines Zeitraums von 12 Monaten ab und ist damit per se ein wichtiges Instrument der Kapitalmarktkommunikation. Seit Jahren steigende Anforderungen an die Offenlegung von Details gemäß der Reportingstandards und die regelmäßige Überprüfung durch die DPR (Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung) hat dazu geführt, dass Geschäftsberichte mittlerweile häufig mehr als 200 Seiten umfassen. Bei dieser Fülle an Informationen kann beim besten Willen nicht unterstellt werden, dass diese Werke tatsächlich von der ersten bis zur letzten Seite gelesen werden.

Ein wichtiger Aspekt der Erstellung eines Geschäftsberichts ist deshalb die Strukturierung der Informationen, so dass die wichtigen Teile des Geschäftsberichts leicht auffindbar sind. Die dort vorhandenen Inhalte müssen wiederum ein Bild des Unternehmens zeichnen, das auch ohne die Zuhilfenahme anderer Bestandteile des Berichts schlüssig ist. Die Wiederholung wichtiger Informationen ist so nicht auszuschließen, aber auf das unbedingt notwendige Maß zu begrenzen.

Natürlich gilt auch beim Geschäftsbericht, dass Transparenz, die über die Erfüllung der reinen Reportingverpflichtungen hinausgeht, grundsätzlich positiv zu werten ist. Besonderes Augenmerk verdient hier der Prognosebericht, der anerkanntermaßen zu den meist gelesenen Bestandteilen eines Geschäftsberichts gehört. Da an dieser Stelle formuliert wird, woran der Vorstand in den nächsten Monaten gemessen wird, ist der Prognosebericht gleichzeitig ein wichtiger Ausgangspunkt für den zukünftigen Erfolg oder Misserfolg am Kapitalmarkt. Der nachvollziehbare Wunsch, sich deshalb an dieser Stelle möglichst wenig konkret zu fassen, wird dagegen vom Kapitalmarkt nicht honoriert. Deshalb ist es besser, ein professionelles Management der Erwartungen vorzunehmen.

Print oder online, bunt oder schwarz-weiß

Bei kaum einer Frage sind sich die Fachleute so uneinig. Dominiert derzeit noch die Variante „Visitenkarte des Unternehmens“ als Geschäftsbericht, mit aufwändiger Gestaltung und imageförderlicher Verarbeitung des Druckproduktes, so mehren sich doch die Anhänger der reinen Lehre. Sie verweisen auf das amerikanische Äquivalent, den 10-K, einer schmucklosen Ausführung zum Zweck der Einreichung bei der dortigen Aufsichtsbehörde. Dass es sich hierbei um zwei völlig unterschiedliche Produkte handelt, liegt jedoch auf der Hand: Das eine ist eine nicht nur inhaltlich, sondern auch äußerlich (XML) eine standardisierte Pflichtveröffentlichung, am ehesten noch vergleichbar mit unseren Formularen für die Steuererklärung. Das andere Produkt erfüllt zwar auch die Veröffentlichungspflichten, stellt es dem Unternehmen jedoch weitestgehend frei, die gewünschte Form der Veröffentlichung zu wählen. Und die Chancen, die dieses bietet, werden unvermindert gerne genutzt.

So gehört heute selbstverständlich ein Imageteil zum Geschäftsbericht, der es dem Unternehmen ermöglicht, frei von Zwängen der Reportingstandards über Strategien, Märkte, Mitarbeiter und Produkte zu berichten. Auf diese Weise erhält der Leser Einblick in das Unternehmen, wird informiert und unterhalten, und bestenfalls auch emotional angesprochen. Es ist nämlich ein Irrglaube, zu denken, dass Investoren ausschließlich an knallharten Fakten interessiert sind.

Die Gestaltung eines Geschäftsberichts bedarf erfahrener Experten. Nur ihnen gelingt es, die Identität und den Geist des Unternehmens in bestmöglicher Form einzufangen und dem Geschäftsbericht ein ebenso unverwechselbares Gesicht zu geben wie das dazugehörige Unternehmen einzigartig ist. Dieser positive Beitrag zum Unternehmensimage ist vergeben, wenn die gesamte Gestaltung lieblos und uninteressant wirkt. Aber auch diese Botschaft kommt bei der Zielgruppe an.

Alles digital?

Selbstverständlich wird der Geschäftsbericht als PDF-Dokument auf der Internetseite veröffentlicht. Damit lässt sich jedoch noch kein Investorengespräch bestreiten, denn eine Nachfrage zu dem zweiten Absatz auf Seite 136 lässt sich eigentlich nur mit einem gedruckten Exemplar auf dem Tisch schnell und unkompliziert beantworten. Berücksichtigt man darüber hinaus das Publikum auf vielen deutschen Hauptversammlungen, so darf man vermuten, dass diese Klientel nicht annähernd so internet-afin ist wie ihre Enkel. Auch sie bevorzugt das konventionelle Druckexemplar.

Auf der anderen Seite sind den Möglichkeiten im Internet nahezu keine Grenzen gesetzt. Eine 1:1 Umsetzung des Geschäftsberichts wäre fast Vergeudung, denn der Zusatznutzen über sinnvolle Verlinkungen, Angebote zum Download von Tabellen und ergänzende Informationen jenseits des Geschäftsberichtsinhalts wäre vertan. Dennoch entscheidet sich heute eine rückläufige Zahl von Unternehmen, diesen Aufwand zu betreiben. Den Schlüssel zu der jeweils richtigen Form bietet zweifelsohne die Frage nach der Zielgruppe.

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