Corporate News und Ad hoc

Die Regelkommunikation und ihre Ausnahmen


Gute Kapitalmarktkommunikation ist leise und an den Erwartungen des Kapitalmarkts orientiert. Sie beschränkt sich auf Informationen, die für Investoren relevant sind, wenn sie entscheiden sollen, ob sie eine Aktie kaufen, halten oder verkaufen. Die gebotene Seriosität lässt sich nicht mit lautem Marketinggeschrei in Einklang bringen.

Ad-hoc-Meldungen für die Ausnahme-Kommunikation

Unternehmen, die den kontinuierlichen Dialog mit dem Kapitalmarkt pflegen, können häufig auf Ad-hoc-Meldungen verzichten, denn diese signalisieren stets, dass es zu einer Diskrepanz zwischen den Erwartungen des Kapitalmarktes und den Ereignissen im Unternehmen gekommen ist. Überraschungen dieser Art, in positiver wie in negativer Hinsicht, schätzen Investoren überhaupt nicht. Sie werden von den Entwicklungen kalt erwischt und hätten sich gerne vorher entsprechend positioniert, also mehr gekauft oder früher verkauft. Und nicht zuletzt bleibt immer ein Gefühl der Unsicherheit, ob andere Kapitalmarktteilnehmer vielleicht früher als sie eine Ahnung von der Überraschung gehabt hätten.

Aus gutem Grund hat der Gesetzgeber den Einsatz von Ad-hoc-Meldungen streng geregelt. Unternehmen sind deshalb gut beraten, wenn sie das Insiderrecht zu einem festen Bestandteil ihrer Compliance-Struktur machen. Der Reputationsschaden durch leichtsinnigen Umgang mit Insiderinformationen kann viele Jahre vernünftiger Investor Relations Arbeit und die Glaubwürdigkeit des Managements zerstören, ganz abgesehen von strafrechtlichen Konsequenzen.

Corporate News für die Regelkommunikation

Im Gegensatz zu den Ad-hoc-Meldungen eignen sich Corporate News bestens für den kontinuierlichen Dialog mit dem Kapitalmarkt. Sei es aus Anlass der Veröffentlichung von Quartals- und Geschäftsberichten oder als unterjährige Bekanntmachung von wichtigen Ereignissen, die sich im Rahmen der erwarteten Geschäftsentwicklung bewegen, sind die Akteure am Kapitalmarkt dankbare Empfänger eines kontinuierlichen „Newsflows“ aus dem Unternehmen. Auch hier gilt es jedoch, die Informationen kapitalmarktgerecht aufzubereiten und die Erwartungshaltung der Empfänger zu antizipieren, um den gewünschten Erfolg zu erzielen.

Für die Veröffentlichung von Ad-hoc-Meldungen und Corporate News gibt es eine Handvoll einschlägiger Dienstanbieter, die eine entsprechende Technik samt entsprechender Verteiler zur Verfügung stellen. Dies reicht in der Regel aus, um die (vorgeschriebene) Bereichsöffentlichkeit herzustellen und somit rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Andererseits sollten Unternehmen eigene Verteiler pflegen und so sicherstellen, dass ihre Kontakte am Kapitalmarkt die Informationen (auch) aus erster Hand erhalten.

Investor Relations als Ohr am Markt

Die Frage, ob eine Veröffentlichung als Ad-hoc-Meldung oder als Corporate News vorgenommen werden soll, ist schwierig zu beantworten und bedarf eigentlich hellseherischer Fähigkeiten. Das entscheidende Kriterium ist nämlich, ob die Nachricht erhebliche Relevanz für den Kurs der Aktie haben wird. Befragt man seine Anwälte, so werden sich diese höchstwahrscheinlich auf die sichere Seite begeben und für die Veröffentlichung als Ad-hoc-Meldung votieren. Diesem Rat kann man natürlich folgen, riskiert dabei jedoch, dass die Anleger überstürzt reagieren (schließlich ist eine Ad-hoc-Meldung das sichere Zeichen, dass im Unternehmen etwas anders läuft als ursprünglich geplant). Eine Ad-hoc-Meldung, die eigentlich keine ist, wird deshalb immer für Verwunderung sorgen und Anlegern das Gefühl geben, dass sie etwas an dem Geschäftsmodell offensichtlich nicht ganz verstanden haben. Geht man hingegen davon aus, dass in dem Kurs vor der Veröffentlichung alle relevanten Erwartungen an das Unternehmen eingepreist sind, kann Investor Relations relativ sicher abschätzen, ob die beabsichtigte Veröffentlichung von diesen Erwartungen abweicht und deshalb eine Ad-hoc-Meldung angezeigt ist. Denn der Dialog mit dem Kapitalmarkt ist schließlich keine Einbahnstraße.

Angebot zum Dialog mit dem Kapitalmarkt

Jede Veröffentlichung des Unternehmens kann natürlich Rückfragen zur Folge haben. Es ist deshalb dringend notwendig, mit der Veröffentlichung einen entsprechenden Kontakt anzubieten. Investor Relations wird sich im Vorfeld der Veröffentlichung bereits mit möglichen Themen befassen, die Rückfragen erwarten lassen. Antworten, die darüber hinaus weitere Recherchen im Unternehmen erforderlich machen, sollten sehr zeitnah gegeben werden.

In vielen Fällen ist es sinnvoll, eine Veröffentlichung des Unternehmens durch einen Conference Call zu ergänzen. Dies bietet sich besonders dann an, wenn der Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht zu kurzfristig ist und entsprechende Vorbereitungen möglich sind. Ob das Unternehmen neben professionellen Teilnehmern des Kapitalmarktes, also Analysten und Investoren, seine Conference Calls auch für private Anleger zugänglich macht, wird unterschiedlich gehandhabt. Die nachvollziehbare Zurückhaltung, „jeden“ einzuladen, ganz abgesehen von der organisatorischen Bewältigung bei Calls mit einer sehr großen Anzahl von Teilnehmern, kann man durch das zur Verfügung stellen einer Aufzeichnung kompensieren. So kann sich jeder davon überzeugen, dass die Teilnehmer des Calls nicht über exklusive Informationen verfügen.

Üblicher Weise fasst der Vorstand im ersten Teil des Calls die Inhalte der Veröffentlichung zusammen und bewertet sie. Im zweiten Teil bekommen die Teilnehmer im Call die Möglichkeit, Fragen zu stellen, die in der Regel vom Vorstand beantwortet werden. Dieses Angebot zum Dialog ist besonders wichtig in schwierigen Zeiten, zeigt es doch, dass der Vorstand seine Dialogbereitschaft nicht von der Wetterlage abhängig macht und zugänglich bleibt.

Archiv für Kapitalmarktkommunikation

Die Investor Relations Seiten auf der Internetseite des Unternehmens leben nicht nur von ihrer Aktualität, sondern auch von ihrer Archivfunktion. Um sich einen möglichst umfassenden Überblick über ein Unternehmen zu verschaffen, ist es für Interessenten sehr nützlich, sich alle Veröffentlichungen des Unternehmens anzusehen, und dies durchaus über den Verlauf mehrerer Jahre. Daher ist es wichtig, alle Veröffentlichungen nicht nur sehr zeitnah auch auf der Internetseite zur Verfügung zu stellen, sondern darüber hinaus Strukturen zu schaffen, die es gestatten, dass sie dort auch für lange Zeit bleiben können.

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